IL-079: Difference between revisions
From Mark Twain in the German Language Press
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<td>Folgendes Geschichtchen aus dem Leben Mark Twains finden wir in Wiener Blättern: Der amerikanische Humorist veranstaltete eine Reihe von Vorträgen in Neuseeland. Eines Tages sprach er über die „Prohibition“, das ist jenes Gesetz, das den Verkauf alkoholischer Getränke verbietet. Mark Twain erklärte zwar, daß er ein Anhänger dieser Maßregel sei, aber er mußte anerkennen, daß sie auch ihre umangenehmen Seiten habe, und gab als Beweis dessen Nachstehendes zum Besten: Es sind mehrere Jahre her, daß ein braver Bursche aus dem Westen in eine Stadt kam, für die das Prohibitionsgesetz galt. Er fragte nach einem Wirthshause, aber man sagte ihm, er werde nirgends wo anders etwas zu trinken bekommen, als bei dem Apotheker. Der brave Bursche ging also zum Apotheker und setzte diesem sein Verlangen auseinander. Der aber erklärte: „Ohne Rezept eines Arztes kann ich Ihnen kein Getränk verabfolgen.“ Der Unglückliche entgegnete: „Ich sterbe vor Durst und habe keine Zeit, einen Arzt zu suchen.“ „Dann kann ich Ihnen nicht helfen“, lautete die Antwort, „ich darf alkoholische Getränke bloß in dringenden Fällen verabreichen und speziell nur, wenn Jemand von einer Giftschlange gebissen wurde.“ „Wo ist eine solche Schlange aufzutreiben?“ fragte der vom Durst Gequälte. Der Apotheker gab ihm die Adresse derselben und der Bursche eilte fort. Aber bald kam er wieder, Verzweiflung im Gesichte. „Nun?“ rief der Apotheker. „Gnade!“ jammerte der Andere, „die Schlange kann nicht mehr beißen vor Ueberanstrengung und ist obendrein auf Wochen hinausbestellt.“</td> | <td>Folgendes Geschichtchen aus dem Leben Mark Twains finden wir in Wiener Blättern: Der amerikanische Humorist veranstaltete eine Reihe von Vorträgen in Neuseeland. Eines Tages sprach er über die „Prohibition“, das ist jenes Gesetz, das den Verkauf alkoholischer Getränke verbietet. Mark Twain erklärte zwar, daß er ein Anhänger dieser Maßregel sei, aber er mußte anerkennen, daß sie auch ihre umangenehmen Seiten habe, und gab als Beweis dessen Nachstehendes zum Besten: Es sind mehrere Jahre her, daß ein braver Bursche aus dem Westen in eine Stadt kam, für die das Prohibitionsgesetz galt. Er fragte nach einem Wirthshause, aber man sagte ihm, er werde nirgends wo anders etwas zu trinken bekommen, als bei dem Apotheker. Der brave Bursche ging also zum Apotheker und setzte diesem sein Verlangen auseinander. Der aber erklärte: „Ohne Rezept eines Arztes kann ich Ihnen kein Getränk verabfolgen.“ Der Unglückliche entgegnete: „Ich sterbe vor Durst und habe keine Zeit, einen Arzt zu suchen.“ „Dann kann ich Ihnen nicht helfen“, lautete die Antwort, „ich darf alkoholische Getränke bloß in dringenden Fällen verabreichen und speziell nur, wenn Jemand von einer Giftschlange gebissen wurde.“ „Wo ist eine solche Schlange aufzutreiben?“ fragte der vom Durst Gequälte. Der Apotheker gab ihm die Adresse derselben und der Bursche eilte fort. Aber bald kam er wieder, Verzweiflung im Gesichte. „Nun?“ rief der Apotheker. „Gnade!“ jammerte der Andere, „die Schlange kann nicht mehr beißen vor Ueberanstrengung und ist obendrein auf Wochen hinausbestellt.“</td> | ||
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Revision as of 15:35, 18 August 2025
[Anecdote about alcohol as treatment for snake bites] | 16 Mar 1899
Abendblatt. Chicago [IL], 16 Mar 1899. Chronicling America: Historic American Newspapers, Lib. of Congress, https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn83045081/1899-03-16/ed-1/seq-2/.
Changes in the translation are indicated as follows:
- Inserts; not present in the English original: {in green}
- Changes in word choice or meaning ⟦in blue⟧
- Omissions; not included in the German translation ⟪in red⟫
| Transcription | English Translation |
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| Folgendes Geschichtchen aus dem Leben Mark Twains finden wir in Wiener Blättern: Der amerikanische Humorist veranstaltete eine Reihe von Vorträgen in Neuseeland. Eines Tages sprach er über die „Prohibition“, das ist jenes Gesetz, das den Verkauf alkoholischer Getränke verbietet. Mark Twain erklärte zwar, daß er ein Anhänger dieser Maßregel sei, aber er mußte anerkennen, daß sie auch ihre umangenehmen Seiten habe, und gab als Beweis dessen Nachstehendes zum Besten: Es sind mehrere Jahre her, daß ein braver Bursche aus dem Westen in eine Stadt kam, für die das Prohibitionsgesetz galt. Er fragte nach einem Wirthshause, aber man sagte ihm, er werde nirgends wo anders etwas zu trinken bekommen, als bei dem Apotheker. Der brave Bursche ging also zum Apotheker und setzte diesem sein Verlangen auseinander. Der aber erklärte: „Ohne Rezept eines Arztes kann ich Ihnen kein Getränk verabfolgen.“ Der Unglückliche entgegnete: „Ich sterbe vor Durst und habe keine Zeit, einen Arzt zu suchen.“ „Dann kann ich Ihnen nicht helfen“, lautete die Antwort, „ich darf alkoholische Getränke bloß in dringenden Fällen verabreichen und speziell nur, wenn Jemand von einer Giftschlange gebissen wurde.“ „Wo ist eine solche Schlange aufzutreiben?“ fragte der vom Durst Gequälte. Der Apotheker gab ihm die Adresse derselben und der Bursche eilte fort. Aber bald kam er wieder, Verzweiflung im Gesichte. „Nun?“ rief der Apotheker. „Gnade!“ jammerte der Andere, „die Schlange kann nicht mehr beißen vor Ueberanstrengung und ist obendrein auf Wochen hinausbestellt.“ |
⟪In our country⟫ several years ago there was a man came into a prohibition town, ⟪a man like you Savages here,⟫ and they said to him, “You can't get a drink anywhere except at the apothecary's.” So he went to the apothecary, who said, “You can't get a drink here without a prescription from a physician,” but the man said, “I'm perishing. I haven't had time to get a prescription.” The apothecary replied, “Well, I haven't power to give you a drink except for snake bite.” The man said, “Where's the snake?” So the apothecary gave him the snake's address, and he went off. Soon after, however, he came back ⟪and said,⟫ “For goodness' sake, ⟪give me a drink.⟫ That snake is engaged for months ahead.” |
